ESRS – Definition & Erklärung

ESRS (European Sustainability Reporting Standards) sind die verpflichtenden EU-Standards für Nachhaltigkeitsberichte großer CSRD-pflichtiger Unternehmen – und setzen indirekt den Rahmen für KMU-Lieferanten.

ESRS – Definition & Erklärung

ESRS (European Sustainability Reporting Standards) sind einheitliche europäische Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung, entwickelt im Rahmen der CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive). Sie legen detaillierte Anforderungen fest, wie Unternehmen über ihre Umwelt-, Sozial- und Governance-Auswirkungen sowie damit verbundene finanzielle Risiken berichten müssen.

Die Rolle von ESRS im EU Green Deal

ESRS bildet das technische Rückgrat der europäischen Transparenzinitiative. Während die CSRD bestimmt, wer berichten muss, legt ESRS fest, wie. Ziel ist es, Nachhaltigkeitsdaten so vergleichbar und zuverlässig zu machen wie Finanzberichte.

Warum ESRS für nicht-berichtspflichtige KMU relevant ist

Obwohl die vollständigen ESRS primär für große, kapitalmarktorientierte Unternehmen gelten, haben KMU direkte Konsequenzen zu tragen:

  • Lieferkettendruck: Großunternehmen fordern Lieferantendaten (oft KMU) für ihre eigenen ESRS-Berichte, insbesondere für Scope-3-Emissionen

  • Banking & Finance: Banken fordern zunehmend Nachhaltigkeitsdaten nach ESRS-Logik für Green-Asset-Ratio-Berechnungen

  • Wettbewerbsvorteil: Unternehmen, die nach ESRS-Prinzipien berichten, positionieren sich als verlässliche Partner in globalen Wertschöpfungsketten

Aufbau der Standards

ESRS unterteilt sich in drei Kategorien:

  • Übergreifende Standards: ESRS 1 und ESRS 2 bilden die verpflichtende Grundlage für alle Berichtspflichtigen

  • Thematische Standards: Umwelt (E1–E5: Klima, Wasser, Kreislaufwirtschaft), Soziales (S1–S4: Belegschaft, Lieferkettenarbeiter), Governance (G1: Unternehmensethik)

  • Sektorspezifische Standards: Derzeit in Entwicklung für Hochrisikosektoren

Das Prinzip der doppelten Wesentlichkeit

ESRS-konforme Berichterstattung erfordert die Analyse zweier Perspektiven:

  1. Impact Materiality: Einfluss des Unternehmens auf Menschen und Umwelt (Inside-Out)

  2. Financial Materiality: Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen, die die Unternehmensfinanzen beeinflussen (Outside-In)